
Editorial: Ein Perspektivenwechsel braucht mehr als einen Ortswechsel
Die Ferienwochen bieten vielen von uns das lang ersehnte, räumlich veränderte Umfeld, um den Kopf freizubekommen – frei für neue Gedanken, neue Ideen und neue Lösungen. Gleichzeitig setzen wir uns oft selbst unter Druck: Gerade jetzt, in dieser besonderen Umgebung, soll die zündende Inspiration kommen.
Und so kehren wir manchmal weniger erholt als erhofft und vielmehr mit dem Gefühl zurück: diese Zeit hätte produktiver sein müssen.
Auch ich kenne dieses Gefühl. Lange glaubte ich, die Ferien seien der ideale Zeitpunkt, um Antworten auf offene Fragen zu finden.
Seit wir uns bei der Stiftung SWONET intensiv mit unserer Weiterentwicklung beschäftigen, habe ich jedoch etwas Entscheidendes erkannt: Nicht ich allein brauche einen Tapetenwechsel – vielmehr braucht es Menschen, die neue Blickwinkel einbringen und den Denkrahmen erweitern.
Zum ersten Mal durfte ich dies im Herbst 2025 beim Mobiliar-Forum erleben. Die Stiftung der Mobiliar ermöglichte uns einen begleiteten Entwicklungstag, an dem wir gemeinsam an der Standortbestimmung von SWONET arbeiteten. Von Beginn an waren Menschen beteiligt, die unsere Themen aus einer völlig neuen Perspektive betrachteten. Genau diese Impulse eröffneten neue Möglichkeiten.
Aus diesem Prozess heraus entstand auch die Idee, die Bachelorarbeit «SWONET 2030» in Auftrag zu geben, die wir am BND2026 vorgestellt haben. Wenn die kommende Generation bestehende Strukturen und Konzepte analysiert, geschieht dies ganz selbstverständlich mit einem anderen Blick. Gewohntes wird hinterfragt, neue Verbindungen werden sichtbar und Kooperationen entstehen dort, wo wir sie bisher vielleicht gar nicht gesehen haben.
Für mich persönlich ist es ein weiterer Lernprozess, diesen Weg bewusst mit etwas Distanz zu begleiten und nur dann Impulse einzubringen, wenn sie gefragt sind. Wie wertvoll dieser Ansatz ist, wurde bereits bei der ersten Zwischenpräsentation deutlich. Die bisherigen Erkenntnisse zeigen Perspektiven auf, die wir im Arbeitsalltag kaum wahrgenommen hätten. Umso gespannter bin ich auf die Abschlussarbeit Ende August.
Je länger wir in einem eingespielten Team zusammenarbeiten, desto anspruchsvoller wird es, wirklich neue Gedanken zuzulassen. Umso wichtiger ist es, unser Netzwerk einzubeziehen und Menschen Raum zu geben, die mit einem unverstellten Blick auf unsere Themen schauen. Genau dort entsteht Innovation – und damit auch die Grundlage für die nächsten Entwicklungsschritte.
Mit dieser Erkenntnis kann ich die kommenden Ferienwochen entspannter geniessen. Ich muss nicht mehr darauf hoffen, dass die entscheidende Idee auf dem Liegestuhl oder während eines Spaziergangs plötzlich auftaucht. Denn ich habe gelernt: Nicht der Ort macht den Unterschied, sondern die Menschen, die neue Perspektiven einbringen – und die Offenheit, diese Perspektiven gemeinsam aufzunehmen.
Ich wünsche Ihnen erholsame Sommerwochen mit vielen bereichernden Begegnungen und vielleicht der einen oder anderen neuen Sichtweise.
Ihre/Eure Petra Rohner